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06.03.2018 15:35 Alter: 104 days

Teuflisches Werkzeug in der Wasserburg Kapellendorf

Neue Ausstellung ab Donnerstag. Arnstädter Historiker und Verleger begleitet die Schau mit einem aufwendigen Buch


Eine ganz außergewöhnliche Ausstellung wird morgen Nachmittag auf der Wasserburg Kapellendorf eröffnet. Bis Ende Mai 2019 zeigt die Burg die Schau „Teuflisches Werkzeug – Die Burg des Mittelalters im Krieg“. Doch nicht Schwerter oder Folterwerkzeuge stehen im Fokus, sondern die effizientesten Belagerungswaffen, nämlich die Steinschleudern (Bliden).

Jeder hat diese gewaltigen Geräte schon einmal gesehen, sei es auf Illustrationen oder – wie bis vor wenigen Jahren auf der Runneburg in Weißensee möglich – auch in „Lebensgröße“ oder gar in Aktion. Indes, die Bliden gibt es nicht mehr, sie sind längst zerfallen, aufgefressen von Insekten und Würmern. Die Ausstellung nun zeigt in einem Teil, in der Steinkammer der Burg, wie sich die Archäologen dieser Geschichte nähern, nämlich über die Blidensteine – die letzten Zeitzeugen. Von sieben Fundorten wurden hier Steinkugeln von 38 bis 118 Kilogramm Gewicht zusammengetragen. Kugeln, die effektiv Burgen beschädigen oder gar zertrümmern konnten.

Michael Kirchschlager, studierter Historiker und heute als Verleger und Autor tätig, kennt sie alle. Und er weiß spannende Geschichten zu ihnen zu erzählen: Welche Mauern standhielten und welche nicht? Wie die Städte die Burgen der Adligen belagerten, um den Landfrieden in ihrem Interesse wieder herzustellen? Wie brutal man mit den Menschen umging, auch mit den Unbeteiligten? Wie sich die Bliden von den Steinbüchsen unterschieden, und und und?

Auch Marie Linz, die Burgvogtin der Wasserburg, kennt die Geschichten. Und sie weiß, wie fesselnd Kirchschlager erzählen kann. Deswegen stimmte sie sofort dem Vorschlag zu, begleitend zu der Ausstellung ein Buch herauszugeben. „Teuflisches Werkzeug – Thüringer Burgen im Krieg“ heißt der gewichtige Band aus dem Verlag Kirchschlager, den man für 18 Euro in der Burg kaufen kann. Sorgten Linz, Kirchschlager und drei Archäologen bzw. Historiker für die fachkundigen Texte, so ist das Buch auch außergewöhnlich fein editiert: Durchweg in Farbe, Hardcover, Lesebändchen ...

Im ersten Obergeschoss der Wasserburg Burg sind ergänzende Exponate zu finden. Teile von Rüstungen etwa, ein originales Kettenhemd aus dem 14. Jahrhundert, das aus dem Fundus des Erfurter Stadtmuseums stammt. Eine weitere Leihgabe, nämlich aus dem oberen Schloss Greiz, ist ein einzigartiges Depot von Armbrustpfeilspitzen. Auch die Freunde bibliophiler Schätze kommen auf ihre Kosten. So wird ein Buch von 1553 mit opulenten Holzschnitten mittelalterlicher Kriegsmaschinen ausgestellt.

Und auf einem großen Bildschirm wird das Laden und Schießen mit einer nachgebauten Blide gezeigt. 20 Minuten läuft der Film – genauso viel Zeit vergeht in der Realität zwischen zwei Schüssen.

Da Marie Linz weiß, dass Eltern auch gerne ihre Kinder mit in die Ausstellung bringen, bietet sie in diesem Stockwerk auch etwas für die kleinen Besucher. Sie können ein Zweihandschwert anheben, eine Replik freilich, oder sich an einem eher harmlosen Computerspiel mit dem Titel „Ballerburg“ messen. Es gibt auch Bastelbögen und ein Memory-Spiel zur Burgenthematik. Zudem findet sich hier ein kleines maßstabsgerechtes Modell einer Blide. Weil dieses auch funktionstüchtig ist, kann man es etwa bei Familientagen auch im Freien zu Vorführungen einsetzen.

Das zweite Obergeschoss schließlich zeigt die Dauerausstellung zur Geschichte der Wasserburg Kapellendorf. Wer sie länger als fünf Jahre nicht gesehen hat, kann hier viel Neues entdecken. Die Schau„Teuflisches Werkzeug – Die Burg des Mittelalters im Krieg“ wird morgen um 15 Uhr eröffnet.

Geöffnet bis 31. Mai 2019 dienstags bis sonntags 10 bis 12 und 13 bis 17 Uhr

Quelle: Thüringer Allgemeine Zeitung / 16.05.18