< Große Show in kleinem Kapellendorfer Unternehmen
15.06.2016 12:34 Alter: 1 year

Elstermann: Gemeinderat und Kämmerer sind das A und O

Zur Wiederwahl des Bürgermeisters


Er hat es wieder getan. Hans-Jürgen Elstermann, 54 Jahre alt und seit mehr als 20 Jahren Bürgermeister der Gemeinde Kapellen40rf, wollte es noch einmal wissen. Der Kandidat der unabhängigen Wähler stellte sich zu Monatsbeginn erneut der Wahl und wurde mit knapp 91 Prozent der abgegebenen Stimmen wiedergewählt. Wohin, so wollte TA gestern von ihm wissen, steuert Kapellendorf. Elstermann, dem in den letzten Jahren das Grau in die Haare geschossen ist, rauft sich dieselben. „Für mich ist es wichtig, alles zu tun, um die Gebietsreform zu verhindern", sagte er. Niemand könne ihm bislang erklären, warum eine Verwaltungsgemeinschaft - in der sich derzeit die meisten der Thüringer Dörfer befinden - nicht funktionieren soll. Kommen die Großgemeinden, ist er überzeugt, bestimmen wieder die Parteien, wohin der Hase läuft. Das ist derzeit auf den meisten der Dörfern nicht der Fall. Und nach einem Besuch im Thüringer Landtag ist er mehr denn je davon überzeugt: „Die Parteien brauchen die Bürger nur am Wahltag - und da schließe ich alle Parteien ein." Er jedenfalls ist erschrocken über die Selbstherrlichkeit, mit der die Damen und Herren Landtagsabgeordneten herumspazieren.

Abgesehen von der Sorge um die Gebietsreform ist die Gemeinde Kapellendorf gut aufgestellt: Gestern erst war Bauabnahme für den letzten Kanal, der den Ort mit dem Klärwerk in Apolda-Heusdorf verbindet. Vergangenes Jahr hat man dazu den Sperlingsberg erschlossen, in diesem Frühjahr das Unterdorf. Die Leitungen sind alle neu und unter der Erde. Nächstes Jahr könnte man schuldenfrei sein, weil nur noch Reste eines kleinen Kredites offen sind.

Bleiben da keine Wünsche übrig? Hans-Jürgen Elstermann lächelt. Er ist ein Realist, das merkt man. Und hat dennoch Träume. „Mein großer Wunsch wäre natürlich der Anschluss ans Erdgas. Aber ich fürchte, das wird nichts, weil zu wenig Interesse bei den Bürgern da ist. Außerdem müssten wir dann alle Straßen wieder aufreißen."

Überhaupt, der Straßenbau. Während die Substanz solide ist, wünscht er sich schon eine ein paar Zentimeter starke Deckschicht über die „Narben" der letzten Jahre. Auch die Fußwege sollten mal repariert werden, die meisten stammen noch aus der Mitte der 70er Jahre. Aber dafür muss man erst noch ein wenig sparen.

Auch Träume gibt es. Elstermann: „Eine eigene Veranstaltungshalle für die Kapellendorfer — das wäre es natürlich."

Doch die Kapellendorfer sind auf einem guten Wege. Derzeit wird eine Mietwohnung im Gemeindehaus hergerichtet. Ab September soll dann vermietet werden, ein Interessent ist schon da. Möglich wurde der Ausbau, weil die Bindefrist für Fördermittel ausgelaufen ist. Kaltmieten sind für eine kleine Gemeinde ein solides „Grund- einkommen", um sich kleinere Wünsche erfüllen zu können. Elstermann: „Was wir nach der Wende gemacht haben, kommt jetzt alles sozusagen in die Kurphase." Beispiel Burgvorplatz: Das Kalksteinpflaster in der Überfahrt von der Straße beginnt nach 16 Jahren, allmählich zu bröseln. Nun ist es aber nicht so, dass die Gemeinde handlungsunfähig wäre, betont Elstermann. Wenn morgen der Gemeinderat tagt, geht es unter anderem um die Spielplätze: Für die sind unter anderem aus Mitteln der Investpauschale Gelder da, nun will man beraten, an welchem der drei Spielplätze der Gemeinde man was verändern will. Der Gemeinderat, das ist auch so eine Sache, auf die Elstermann Wert legt. „Ein guter Gemeinderat und ein guter Kämmerer sind das A und O für jeden Bürgermeister", betont er. Und eben weil er sich darauf verlassen kann, blickt er auch ohne Angst auf die nächsten Jahre. Elstermann : „Es macht nach wie vor Spaß."  

 

Quelle: Thüringer Allgemeine Zeitung