Wie die Friedens-Säule nach Kapellendorf kam

Angeregt von der Entdeckung einer japanischen Friedenssäule im Pfarrgarten des sächsischen Königswartha (wo ich an einer Konferenz teilnahm), hatte ich mich einige Zeit danach bei der japanischen Friedensgesellschaft "The world prayer society" für die Aufstellung einer solchen Gebetssäule auch bei uns in Kapellendorf beworben. Ich sollte von unseren Friedensaktivitäten schreiben und konnte dann aus einem Angebot von mehreren Varianten die für uns passende heraussuchen und bestellen, mit dem Wunsch, man möge uns die Kosten dafür erlassen. Und so geschah es schließlich auch. Eines Tages kam die Nachricht von der Ankunft des Paketes auf dem Frachtgutbahnhof Erfurt, wohin die vom Flughafen transportiert worden war.


Ein besonders schöner und für viele unvergeßlicher Tag wurde der 1. September 1988. Wir luden Gemeindemitglieder des Kirchspiels, der Superintendentur, Freunde und Mitstreiter aus dem weiteren Umfeld unseres Zentrums zu einer Feier ein. Auch Rundfunk und Fernsehen hatten wir verständigt. Die "Aktuelle Kamera", die tägliche Nachrichtensendung des DDR-Fernsehens, hatte sich zu Aufnahmen angesagt, die dann auch in der Spätausgabe gesendet wurden. Aber nicht das, sondern die fröhliche, lockere und festliche Stimmung vor Ort an jenem Abend unseres Friedensfestes werde ich nicht wieder vergessen können. Nach der Begrüßung, dem eigentlichen Setzen der Säule, einer Andacht durch mich und einem Grußwort anwesender staatlicher und gesellschaftlicher Vertreter gab es ein "Internationales Buffet" und danach einen Tanz rund um die neue Säule. Eindrücklich waren auch Erlebnisse noch Tage und Wochen später. Eines Tages stellte der Rentner Otto Ruppe einen frischen Blumenstrauß vor die Säule. Eine Pioniergruppe unserer POS Herressen kam einmal zur Kirchenbesichtigung, versammelte sich um die Säule und legte einen Blumenstrauß davor. Und oft, wenn neue Gäste unser Gemeindezenrtum besuchten, führte ich sie zuerst zu unserem Friedenspfahl mit seiner Beschriftung  in japanischer, russischer, englischer und deutscher Sprache: Möge Friede die Erde erfüllen. Ein Wunsch, dem die unterschiedlichsten Menschen schon vielemale seither in irgendeiner Form verliehen haben.

-Peter Franz-

Transportbeleg der DeuTrans
Der Japanische Geschenkbescheid
Feierliche Einweihung am 01. September 1988

Begrüßungswort bei der Aufstellung der Friedens-Säule am Weltfriedenstag, dem 1. September 1988 auf dem Vorplatz der Kirche

Schön, daß Ihr so zahlreich gekommen seid zu unserem Friedensfest am 1. September, - herzlich willkommen.

Nun wollen wir heute etwas ganz Besonders tun: Hier soll künftig eine japanische Friedenssäule stehen. Wir wollen sie gemeinsam in unsere Kapellendorfer Erde einsetzen.

Und nun will ich Euch gleich das Geheimnis lüften und Eure Neugier stillen, indem ich Euch erzähle, wie diese Säule aus Japan ausgerechnet in unseren Ort kommt.

Einige von Euch werden sich gut daran erinnern können, daß wir schon mehrfach japanische Gäste in unserem Thomas-Müntzer-Haus empfangen haben. Im Buch der Kirchgemeinde sind auch wunderschöne Farbfotos von diesen Begegnungen aufbewahrt.

Ihr könnt Euch denken, warum Japaner so sehr am Kennenlernen anderer Menschen und am Gespräch, also am Frieden interessiert sind. Wir wissen alle, daß am 6. bzw. am 9. August 1945 zwei schreckliche Bomben über zwei japanischen Städten gefallen sind. Seither ist unsere Welt von Tausenden solcher und noch viel schlimmerer Bomben bedroht. Die Japaner, die als erste unter ihnen leiden mußten, sind auch die ersten gewesen, die gegen diese Bomben aufgestanden sind. Sie tun das auf vielfache Weise, durch Reisen, durch Friedenskongresse, durch Aufklärungsarbeit ? ja und nun auch durch solche sichtbaren Zeichen, die sie in alle Welt versenden.

Nachdem ich zwei dieser Säulen schon gesehen hatte, schrieb ich an die "Society of Prayer for world peace" - zu Deutsch "Gesellschaft der Gebete für den Weltfrieden" - sie schickten uns Prospekte und boten auch uns an, solch ein Friedenszeichen, das dritte in der DDR aufzurichten. Neulich haben wir es vom Erfurter Flughafen abgeholt: als Geschenk der japanischen Gesellschaft an die Einwohner von Kapellendorf.

Und nun möchte ich zum wichtigsten kommen. Die Säule trägt eine Botschaft. Sie ist zwar sehr kurz, besteht nur aus fünf Wörtern, aber sie fassen das zusammen, was alle Menschen auf dieser Erde einen kann und soll: alle Rassen und Religionen, alle sozialen Klassen und Schichten, alle Lebensalter und Charaktere, Männer, Frauen, Kinder. Der Wunsch auf dieser Säulebringt die Grundlage für das Leben aller Menschen, ja aller Tiere und Pflanzen, der gesamten Schöpfung Gottes zum Ausdruck.

Mit dem Wort Schöpfung Gottes bin ich bei einem Bekenntnis angelangt, das wir sicher nicht alle so mitsprechen in dieser Runde. Etliche unter uns würden sicher eher sagen: Natur, bewohnte Erde. Als Christen sprechen wir von der Schöpfung, die ein Abbild der Liebe des Schöpfers ist, des Gottes aller Menschen, Tiere, Pflanzen und Steine, aller Meere, Gestirne und Sonnensysteme. Aber wir Christen haben eine Botschaft, die auch für andere Menschen eine gute Nachricht ist. Diese Nachricht lautet: Gott liebt diese Schöpfung, er hat sich an sie gebunden, wer sich an dieser Schöpfung vergreift, der vergreift sich an Gott selbst. Für uns ist diese Liebe am deutlichsten sichtbar und erfahrbar geworden in dem armen Mann aus Nazareth, in dem Menschen, der nur für die Erhaltung von Leben, für die Aufrichtung, Stärkung, Tröstung, Heilung von Menschen gelebt hat. Deshalb ist für uns die Botschaft der Säule zuallererst ein Gebet: MÖGE FRIEDE AUF ERDEN SEIN. Im Gebet machen wir uns den Willen Gottes zu unserem eigenen. Wir lassen uns neue Kraft und neuen Mut geben, diesem Willen Gottes in der Welt zum Durchbruch zu verhelfen. So gestärkt können wir dann mit allen zusammenarbeiten, die auch diese Sehnsucht nach Frieden spüren und die ebenso alles dafür tun wollen, daß alle Menschen auf dieser Erde gemeinsam und harmonisch zusammen leben lernen.

Ich finde es sehr gut, daß dieser Inhalt uns verbindet und daß die Formen, Methoden und Möglichkeiten dafür zu wirken jeder Gruppe, dem Einzelnen und den verschiedenen Kräften der Gesellschaft selbst überlassen sind.

Und nun möchte ich Euch alle herzlich bitten, daß wir Christen hier das tun dürfen, was uns bei der Friedensarbeit zuerst aufgetragen ist, nämlich für den Frieden und das Wohlergehen der Schöpfung zu beten. Die Christen unter uns bitte ich dann, in das Gebet einzustimmen, das uns Jesus Christus lehrt.

O Gott, Du Vater und Mutter aller Menschen. Wir sind hier versammelt, um uns an das Wichtigste zu erinnern und uns das kostbarste Gut bewußt zu machen, das Du uns schenkst, den Frieden der Welt. Öffne unsere Herzen für diese Aufgabe, laß uns Fantasie entwickeln und Kräfte sammeln, damit wir auf dieser Erde lernen, miteinander zu leben. Laß uns Wege finden, daß wir Menschen des Friedens werden, daß wir aufeinander hören, aufeinander zugehen, miteinander reden und gemeinsam das Nötige anpacken. Laß uns selbstloser werden als bisher, daß wir nicht nur an unseren Frieden denken, sondern an den Frieden für andere. Gib uns den Mut, die Wahrheit auszusprechen, daß der Frieden, den Du uns schenkst, von uns gemacht werden kann ? durch jeden Einzelnen von uns und oft auf gemeinsame Weise. Der Du genauso wie eine Mutter zu uns, Deinen Kindern, hältst ? Dich rufen wir an:
VATER UNSER...

-Peter Franz-

2015 - Französische Gäste aus Partnergemeinde St. Savin

 

Eine neue Friedenssäule wurde am Sonntag vor der Kirche in Kapellendorf eingeweiht. Die Feier dazu war der Abschluss und zugleich Höhepunkt eines Besuches von Franzosen aus der Partnergemeinde St. Savin.

Die Friedenssäule vor der Kirche in Kapellendorf wurde erstmals 1988 eingeweiht. Sie kam aus Japan und sollte weltweit ein Zeichen für den Frieden setzen.

Seit 2006 hat Kapellendorf Kontakt nach St. Savin, einer Gemeinde in Südfrankreich. Der Förderverein für Kapellendorf und Wasserburg hatte, wie Antje Strzata vom Verein berichtet, diese Partnerschaft begonnen, um zum 200. Jahrestag der Schlacht bei Jena und Auerstedt ebenfalls die Notwendigkeit friedlicher Begegnungen hervorzuheben. Das Motto damals: „Wo man sich kennen- lernt, wächst Frieden", heute aktueller denn je.

Zum dritten Mal war nun eine Gruppe aus St. Savin in Kapellendorf zu Gast. Die Franzosen wohnen in Kapellendorfer Familien, haben diesmal Erfurt und Weimar erkundet und ein Fest mit gefeiert, von Vereinen und Bürgern ausgerichtet.

Ein feierlicher Abschluss war nun die Einweihung einer neuen Friedenssäule, auf der die Friedensbotschaft nun auch in französisch zu lesen ist: „Möge Friede die Erde erfüllen".

Familie Pißler hat sie gespendet. Hans-Joachim Pißler, der vor kurzem verstorben ist, war 1988 dabei und Initiator unserer wachsenden deutsch-französischen Partnerschaft. Ihm hat heute auch unser Dank und unsere Erinnerung gegolten.