Müller-Röschen" in Kapellendorf
In der Burg fanden zwei Steindenkmale mit ungewöhnlichen Namen einen geschützten neuen Standort.

Gelegentlich sind es Zufälle, die über Zukunft oder Verlust eines am Wegesrand stehenden Klein- und Flurdenkmales entscheiden. Daran ändert auch der seit 1954 fortbestehende gesetzliche
Schutz als ortsfeste Bodendenkmale nichts, denn eine lückenlose Aufsicht über etwa 600 derartige Denkmale in Thüringen ist schlichtweg einfach nicht zu leisten.

Ein solcher Zufall war es, der 1975 die Schritte von Karl Moszner aus Hohlstedt zu einem Steinhaufen führte, der am nächsten Tag abgefahren werden sollte. Sein Blick fiel sofort auf einen länglichen Stein, der bis dahin wenige Meter entfernt von dieser Stelle als Wegweiserstein aufrecht stand und vordem ein schönes altes Steinkreuz war.

Es ist nur eines von vielen größeren und kleineren Denkmalen und Geschichtszeugnissen, die es ohne den verdienstvollen Lehrer, Chronisten und späteren langjährigen Kreisheimatpfleger im Weimarer Land, Karl Moszner, gar nicht mehr geben würde. Er verstarb am 11. Januar 2015 im Alter von 88 Jahren.

Das Steinkreuz aus dem Steinhaufen stand ursprünglich südlich von Kötschau an der alten Straßenverbindung zwischen Weimar und Jena. Ähnlich wie etliche weitere Steinkreuze besonders in diesem Gebiet ist es im 19. Jahrhundert rigoros zum Wegweiser umgearbeitet worden.

Nach der dabei entstandenen einarmigen und verrundeten Form, die aus der Ferne wie eine gebeugt gehende ältere Frau anmutete, sprach der Volksmund bald von der „Großmutter". Zwei Schriftfelder wiesen mit Pfeil und Schreibschrift die Richtungen nach Kötschau und Vierzehnheiligen, heute kaum noch erkennbar. Sein Ursprung als Sühne- oder Gedenkmal liegt im 15. oder beginnenden 16. Jahrhundert.

Richtig rätselhaft im Hinblick auf Alter und Bedeutung ist der links neben dem Steinkreuz stehende Kreuzstein, ein nur grob zugehauener Muschelkalkblock mit vertieft eingerilltem lateinischen Balkenkreuz, das ringsum in den Konturen des Steines ausläuft. Er stand bis 1974, als er umgestürzt wurde, auf dem Sperlingsberg östlich oberhalb von Kapellendorf. Hier sei der Stein aber erst kurz vor 1932 aufgestellt worden als Ersatz für einen anderen, der um 1860 verloren ging. In den 1950er Jahren bestätigten Einwohner noch das geringe Alter des Steines.

Eine örtliche Ãœberlieferung spricht vom „Müller-Röschen- Stein", den eine junge Frau ihrem in der Schlacht 1806 gefallenen Bruder setzte. Ihren Ursprung dürfte die Geschichte aber vielmehr in dem Theaterstück „Des Kriegers Heimkehr" von Theodor Hell (Leipzig 1811) haben, das ab 1814 in Deutschland auch als Puppenspiel aufgeführt und 1907 von Franz Weiner anlässlich der Einweihung des Turmes auf dem Berg als Anekdote herausgegeben wurde.

Wie die hübsche Rose ihren Bruder ehrte: Es geht um die hübsche Rose, Dienstmagd in der Auerstedter Mühle („Müllers Röschen"), und ihren für Napoleon kämpfenden Bruder, der in der Schlacht fällt und ihr eine große Barschaft hinterlässt. Möglicherweise wurde damit die Aufstellung des Steines erst angeregt.

Durch die besondere Beziehung Karl Moszners zu „seiner" Kapellendorf Wasserburg brachte er die beiden in ihrem Bestand überaus gefährdeten Steine hierher. War zunächst noch die spätere Wiederaufstellung in der Flur vorgesehen, entschied man sich im Oktober 1995 doch für die dauernde Aufstellung und Verankerung in dem kleinen Zwinger zwischen Verliesturm und Stallgebäude.


Quelle: Thüringer Allgemeine Zeitung / 06.02.2015 /